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Studiengänge und -abschlüsse

Ohne Hochschulabschluss können Sie sich nur für grundständige Studiengänge bewerben. Gemeint sind damit in erster Linie Bachelorstudiengänge. Diese haben eine Regelstudienzeit von 6 oder 7 Semestern und werden im Gesundheitsbereich, je nach fachlicher Ausrichtung, meist mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) oder Bachelor of Arts (B.A.) abgeschlossen. Darüber hinaus gehören Studiengänge, die mit einem Staatsexamen enden, zu den grundständigen Studiengängen. Das sind z. B.  Medizin, Zahnheilkunde und Pharmazie. Abgesehen von der Staatsprüfung ist das Besondere an diesen Studiengängen, dass sie nicht der gestuften Studienstruktur folgen, die im Zuge des Bologna-Prozesses eingeführt wurde, sondern durch bundesweit geltende Approbationsordnungen geregelt sind. Außerdem sind sie mit 8, 9 oder sogar 10 Semestern deutlich länger als Bachelorstudiengänge. Bis zur Approbation vergehen bei Ärzten sogar mehr als 6 Jahre. Bei Apothekern sind es gut 5 Jahre.

Bachelorstudiengänge werden immer häufiger auch als duale oder ausbildungsbegleitende Studiengänge angeboten. Hier ist die Ausbildung zweigleisig angelegt: Sie werden z. B. an einer Berufsfachschule und in Praxiseinrichtungen für einen Pflege- oder Therapieberuf ausgebildet und parallel dazu studieren Sie an einer Hochschule in derselben Fachrichtung. Durch die Verknüpfung von zwei Ausbildungen dauert das Studium etwas länger als „normal“, Sie haben am Ende aber auch zwei Abschlüsse in der Tasche.

Seit einigen Jahren geht man sogar noch einen Schritt weiter und überträgt der Hochschule die gesamte Verantwortung für die Berufsqualifikation der Studierenden, bildet also Gesundheitsfachkräfte auf akademischem Niveau aus. In diesem Fall legen die Studierenden sogar die staatliche Prüfung, mit der sie die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung im Gesundheitsfachberuf erlangen, an der Hochschule ab. Die umfangreichen praktischen Ausbildungsanteile bleiben dabei erhalten. Da die Ausbildung von Anfang an und durchgehend an der Hochschule stattfindet, spricht man auch von primärqualifizierenden Studiengängen. Der Unterschied zu dualen Studiengängen ist, dass nicht Studium und Ausbildung miteinander kombiniert werden, sondern das Studium zu einer Berufsqualifikation führt, welche die Berufszulassung in einem Gesundheitsfachberuf einschließt. Sie absolvieren also „nur“ das Studium, haben aber am Ende zwei Abschlüsse. Das ist auch der Grund, warum in diesem Studienführer bei der Vorstellung primärqualifizierender Studiengänge die Berufsbezeichnung (z. B. Physiotherapeut oder Ergotherapeut) beim Abschluss neben dem Bachelor genannt wird und bei dualen Studiengängen nicht.

Hintergrund für die zunehmende Akademisierung der Gesundheitsfachberufe ist, dass die Anforderungen der Versorgungspraxis steigen und nach einer professionellen Weiterentwicklung der Berufe verlangen. Zudem will man Wissenschaft und Forschung in den jeweiligen Disziplinen voranbringen und das professionelle Zusammenwirken der Akteure im Gesundheitsbereich fördern.

Mit dem Bachelor erwerben Sie einen berufsqualifizierenden akademischen Abschluss. Sie können also in das Berufsleben starten und sich auf ausgeschriebene Stellen bewerben. Alternativ besteht die Möglichkeit, direkt im Anschluss an das Studium oder auch erst nach einer Phase der Berufstätigkeit und/oder Familiengründung ein Masterstudium zu absolvieren, um bereits erworbene Fachkenntnisse zu vertiefen, berufliche Kompetenzen weiter auszubauen oder das eigene Profil mit einer Spezialisierung zu schärfen.

Masterstudiengänge gehören zu den weiterführenden Studiengängen, setzen also einen ersten Hochschulabschluss voraus. In aller Regel wird dies ein Bachelor sein, aber auch ein Diplom, Magister oder Staatsexamen erfüllt die Voraussetzung. Gelegentlich müssen Sie sogar einen anderen Masterabschluss vorweisen. Masterstudiengänge dauern meist 4, gelegentlich aber auch nur 2 oder 3 Semester und schließen im Gesundheitsbereich in aller Regel mit einem Master of Science (M.Sc.) oder Master of Arts (M.A.) ab. Bei expliziten Managementstudiengängen wird am Ende ein Master of Business Adminstration (MBA) verliehen.

Masterstudiengänge: konsekutiv oder weiterbildend?

Masterstudiengänge sind entweder konsekutiv oder weiterbildend. Die Zuordnung hat Einfluss auf die Zugangsvoraussetzungen, das Studienkonzept und bei öffentlichen Hochschulen in Berlin und Brandenburg außerdem auf die anfallenden Kosten.

Konsekutive Masterstudiengänge sind so konzipiert, dass sie direkt an ein Bachelorstudium angeschlossen werden können. Meist führen sie das Bachelorstudium in derselben Fachrichtung fort und vertiefen es. Zwingend ist dies aber nicht. Es ist auch möglich, Kompetenzen in einer anderen Fachrichtung zu erwerben. Studiengebühren fallen nur an privaten Hochschulen an. An öffentlichen Hochschulen ist lediglich der Semesterbeitrag zu entrichten.

Weiterbildende Masterstudiengänge richten sich dagegen an Studieninteressierte mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung, wobei die Hochschulgesetze auch Ausnahmen zulassen. Konzeptionell knüpft das Studium an die Berufserfahrung der Studierenden an und stellt Bezüge zu bestimmten beruflichen Praxisfeldern her. Für weiterbildende Studiengänge dürfen nicht nur private, sondern auch öffentliche Hochschulen in Berlin und Brandenburg Studiengebühren erheben.

Masterstudiengänge beider Kategorien sind entweder stärker anwendungs- oder forschungsorientiert ausgerichtet.

Studieren neben Beruf und Familie?

Normalerweise ist man mit einem Studium rund 40 Stunden in der Woche beschäftigt und verbringt sehr viel Zeit an der Hochschule – keine besonders attraktive Aussicht für Studieninteressierte, die ihre bisherige Berufstätigkeit nebenbei fortsetzen wollen oder eine Familie zu versorgen haben. Um ein Studium für sie dennoch attraktiv zu machen, wurden verschiedene Studienkonzepte entwickelt, die eine Kombination aus Beruf, Familie und Studium ermöglichen.

Viele Studiengänge können z. B. auf Antrag auch als Teilzeitstudium absolviert werden. In diesem Fall wird der Unterrichts- und Prüfungsstoff eines Vollzeitstudiums über einen längeren Zeitraum gestreckt, sodass die zeitliche Belastung in der Woche abnimmt. Andere Studiengänge sind von vornherein als Teilzeitstudium oder berufsbegleitendes Studium konzipiert. Es wird also bei der Studienorganisation besonders auf die Belange Berufstätiger oder familiär eingebundener Studierender Rücksicht genommen, indem z. B. reduzierte und geblockte Präsenzzeiten, kombiniert mit Online- bzw. E-Learning-Angeboten (Blended Learning), angeboten werden.

Schließlich gibt es spezielle Fernstudienangebote. Hier werden die Studieninhalte im Wesentlichen über das Internet und/oder begleitende gedruckte oder digitale Studienmaterialien vermittelt. Präsenzphasen gibt es zwar auch, ihr Umfang ist jedoch überschaubar.

Universität oder Fachhochschule?

Manche Studiengänge, z. B. Medizin oder Pharmazie, werden ausschließlich von Universitäten angeboten. In diesem Fall entscheidet also bereits die Wahl des Studiengangs über die Art der Hochschule. Bei anderen Studiengängen ist das anders. Hier werden Sie feststellen, dass es vergleichbare Angebote an Universitäten und Fachhochschulen gibt. Letztere tragen die Bezeichnung „Fachhochschule“ immer seltener im Namen, sondern nennen sich schlicht „Hochschule“. Das heißt umgekehrt allerdings nicht, dass sich hinter jeder „Hochschule“ auch eine Fachhochschule verbirgt. Die neue Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane ist beispielsweise als Universität staatlich anerkannt und die neue MSB Medical School Berlin – Hochschule für Gesundheit und Medizin ist sogar ein Zwitter. Ähnliches gilt für die Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Senftenberg, die aus der Fusion der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und der Hochschule Lausitz (FH) in Senftenberg hervorgegangen ist. Geblieben sind nicht nur die verschiedenen Standorte, sondern auch ein Studienangebot, das sowohl Universitäts- als auch Fachhochschulstudiengänge umfasst.

Der Unterschied von Universitäten und Fachhochschulen liegt im Wesentlichen darin, dass Universitäten traditionell eher Grundlagenforschung betreiben, während Fachhochschulen die Praxis im Blick haben und anwendungsorientiert forschen. Die Wertigkeit der Bachelor- und Masterabschlüsse an beiden Hochschularten unterscheidet sich dagegen nicht. Für Masterabschlüsse an Fachhochschulen galt früher mal, dass sie nur dann Masterabschlüssen an Universitäten gleichgestellt sind, wenn die Bildungsvoraussetzungen den Zugang zum höheren (öffentlichen) Dienst eröffnen. Mittlerweile sind die Qualitätsstandards für die Akkreditierung von Studiengängen aber so ausgestaltet, dass diese Voraussetzung nach Ansicht der Innen- und Kultusministerkonferenz immer gegeben ist – vorausgesetzt natürlich, die Akkreditierung liegt vor. Auch berechtigen Masterabschlüsse an beiden Hochschularten grundsätzlich gleichermaßen zur Promotion. Promovieren selbst können Sie allerdings nur an Universitäten. Möglich ist schließlich ein Wechsel von einer Hochschulart zur anderen. Sie können also Ihren Bachelor an einer Fachhochschule machen und Ihren Master an einer Universität oder umgekehrt.

Ein weiterer Unterschied zwischen den Hochschularten besteht darin, dass Universitäten meist ein sehr breites Spektrum an Studienmöglichkeiten bieten, während sich Fachhochschulen auf ein bestimmtes Fächerspektrum konzentrieren. Universitäten sind deshalb in aller Regel auch deutlich größer als Fachhochschulen, wobei es auch hier Ausnahmen gibt.

Öffentliche oder private Hochschule?

Staatliche Hochschulen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und zugleich staatliche Einrichtungen. Darüber hinaus gibt es Hochschulen in privater Trägerschaft. Sie sind den öffentlichen gleichgestellt, wenn sie bestimmte gesetzlich festgelegte Anforderungen erfüllen und deshalb auf Antrag die staatliche Anerkennung erhalten haben. Ist dies der Fall, können Sie sicher sein, dass das Studium dort die gleichen Qualitätsstandards erfüllt wie an öffentlichen Hochschulen, zumal die Regeln der Akkreditierung von Studiengängen auch für sie gelten. Auch sind die Studienabschlüsse gleich viel „wert“. Alle privaten Hochschulen in diesem Studienatlas verfügen über die staatliche Anerkennung.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Hochschulen in der Region besteht in der Finanzierung. Bei öffentlichen Hochschulen ist diese im Wesentlichen Sache der Länder Berlin und Brandenburg, die über die Kulturhoheit verfügen und deshalb für eine Grundfinanzierung sorgen müssen. Für die Studierenden ist das Studium (bis auf weiterbildende Masterstudiengänge) dagegen gebührenfrei. Anders ist dies bei privaten Hochschulen. Trotz staatlicher Anerkennung haben sie keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch die Länder. Stattdessen beteiligen sie die Studierenden an den Kosten. Für Sie heißt das: Sie müssen mit – teils erheblichen – Studiengebühren rechnen. Ein Vorteil privater Hochschulen kann wiederum sein, dass Sie dort aller Voraussicht nach nicht in überfüllten Hörsälen sitzen, die Studiengruppen eine überschaubare Größe haben und Sie auch sonst Rahmenbedingungen für Ihr Studium vorfinden, mit denen nicht jede öffentliche Hochschule mithalten kann.

Akkreditierung von Studiengängen

Um die Qualität von Studium und Lehre an deutschen Hochschulen zu dokumentieren und zu sichern, müssen alle Bachelor- und Masterstudiengänge akkreditiert werden. Konkret geschieht dies dadurch, dass spezielle Agenturen u. a. die Studieninhalte, die Studienstruktur, die Studierbarkeit, die Berufsrelevanz der Abschlüsse und die personelle, sächliche und räumliche Ausstattung beurteilen. Welche Kriterien dabei eine Rolle spielen, legt der Akkreditierungsrat fest, der für die Organisation des Qualitätssicherungssystems an deutschen Hochschulen und die Zertifizierung der Agenturen verantwortlich ist. Anfangs musste jeder einzelne Studiengang akkreditiert werden (Programmakkreditierung). Mittlerweile besteht alternativ die Möglichkeit der sogenannten Systemakkreditierung, bei der nicht die Qualität der Studiengänge geprüft wird, sondern das interne Qualitätssicherungssystem der Hochschulen im Bereich Studium und Lehre. Erfüllt dieses alle Anforderungen, sind damit zugleich auch die Studiengänge der Hochschule akkreditiert. Die Akkreditierung ist stets zeitlich befristet. Danach muss eine Reakkreditierung erfolgen. Details zu den bereits akkreditierten Studiengängen finden Sie in der Datenbank aller akkreditierten Studiengänge in Deutschland auf der Website des Akkreditierungsrates (www.akkreditierungsrat.de).

Wie und wo informieren?

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Informieren Sie sich umfassend, bevor Sie sich für einen Studiengang entscheiden! Vor allem auf den Webseiten der Hochschulen finden Sie meist viele wertvolle Informationen. Schauen Sie auch in die jeweilige Studienordnung und die dazugehörigen Modulbeschreibungen bzw. -handbücher. Es mag etwas ungewohnt sein, derartige Texte zu lesen, Sie erfahren aber sehr viele Details zum einzelnen Studiengang. Häufig bieten die Hochschulen zudem gedrucktes Informationsmaterial an, das Sie entweder vor Ort erhalten oder bestellen können.

Darüber hinaus lohnt immer ein Blick in Studienführer für einzelne Fächer oder Fächergruppen, die im Internet zugänglich oder im Buchhandel erhältlich sind. Die Hochschulen bieten mit Studieninformationstagen, Tagen der offenen Tür oder ähnlichen Veranstaltungen Informationsmöglichkeiten vor Ort. Gleiches gilt für die Hochschulmesse der Region, die jedes Jahr im Frühjahr stattfindet (Informationen dazu auf www.studieren-in-bb.de). Fragen zu konkreten Studiengängen einer Hochschule beantworten Ihnen entweder die Mitarbeiter der allgemeinen/zentralen Studienberatungsstellen oder Ansprechpartner direkt im jeweiligen Fachbereich. Die Arbeitsagenturen informieren über die verschiedenen Berufe und beraten Sie rund um die Berufswahl. Entspechende Informationen finden Sie im Internet und in den Berufsinformationszentren (BIZ) vor Ort. Wer möchte, kann auch Hochschulrankings bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen. Dabei ist das CHE-Hochschulranking, das auf ZEIT online veröffentlicht ist, nur eines von vielen (http://ranking.zeit.de/che2015/de/). Schließlich gibt es im Internet mittlerweile einige Möglichkeiten, bei der Studienwahl von Selbsttests Gebrauch zu machen.