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Gesundheit und Mensch: Humanmedizin, Pflege, Psychologie, Therapie

Humanmedizin: Medizin und Zahnmedizin

Fachgebiet: Die Humanmedizin hat das Ziel, Krankheiten beim Menschen zu erkennen, zu behandeln und zu verhüten und Verletzungen zu heilen. Ihre Fachgebiete sind die innere Medizin, Orthopädie, Dermatologie, Chirurgie, Kinderheilkunde, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Urologie, Neurologie, Psychiatrie sowie die Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Angewandt wird die Humanmedizin insbesondere von Ärzten. Bei der Leistung von Geburtshilfe müssen aber selbst Ärzte eine Hebamme bzw. einen Entbindungspfleger hinzuziehen, denn nur sie dürfen (normale) Geburten leiten. Für Erkrankungen der Zähne, des Mundes und des Kiefers werden Zahnärzte ausgebildet. Ein weiteres Teilgebiet der Medizin ist die Notfallmedizin. Sie ist darauf spezialisiert, medizinische Notfälle zu erkennen, die vitalen Funktionen des Menschen wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten und für die Transportfähigkeit von Notfallpatienten zu sorgen.

Grundständige Studiengänge: Ärzte und Zahnärzte werden in Berlin und Brandenburg in erster Linie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ausgebildet, die seit 2003 die medizinischen Fakultäten der Humboldt-Universität und der Freien Universität vereint. Die Charité zählt zu den größten und bedeutendsten Universitätskliniken Europas, zahlreiche Medizin-Nobelpreisträger haben hier geforscht und gelehrt. Seit dem Wintersemester 2010/11 werden Studienanfänger, die über die Stiftung für Hochschulzulassung einen Studienplatz erhalten, in den Modellstudiengang Medizin immatrikuliert, der das Ziel verfolgt, in der medizinischen Lehre eine nationale und internationale Spitzenposition in Bezug auf Qualität, Zufriedenheit und Nachhaltigkeit zu erreichen. Für angehende Zahnärzte gibt es den Studiengang Zahnheilkunde.

Eine Alternative zum Medizinstudium an der Charité bietet seit dem Sommersemester 2015 die neu gegründete Medizinische Hochschule Brandenburg mit Sitz in Neuruppin. Bislang war Brandenburg das einzige Flächenland ohne medizinische Fakultät. Nun haben sich Kommunen, Krankenhäuser und Diakonie vor Ort zusammengeschlossen, um die bestehende Angebotslücke zu schließen. Ein besonderes Merkmal der privaten Hochschule ist, dass sie ihre Studierenden nicht anhand der Abiturnote auswählt; stattdessen entscheiden Motivation, Praxiserfahrung und Persönlichkeit über den Erhalt eines Studienplatzes. Brandenburger Kliniken unterstützen die Studierenden mit Stipendien zur Finanzierung der Studiengebühren.

Im Gegensatz zu den umfassenden Medizinstudiengängen konzentriert sich der Studiengang Präklinische Versorgung & Rettungswesen an der H:G-Hochschule auf die Vermittlung humanmedizinischer Kenntnisse und Fähigkeiten zur Diagnostik und Therapie häufiger akutmedizinischer Erkrankungen und Verletzungen. Schwerpunkte bilden hier die Kardiologie und Unfallmedizin. In Kombination mit einer Ausbildung zum Rettungsassistenten haben die Absolventen z. B. eine berufliche Perspektive im Rettungsdienst oder mit Berufserfahrung auch als Physician Assistant in zentralen Notaufnahmen von Klinken. Die IB-Hochschule wiederum bietet seit dem Wintersemester 2015/16 als eine der ersten Hochschulen bundesweit den Studiengang Notfallsanitäter/-in an, der die Ausbildung zum Notfallsanitäter ergänzt. Der Studiengang Emergency Practitioner an der Akkon-Hochschule, der sich an Rettungsassistenten bzw. (angehende) Notfallsanitäter richtet, hat seinen Schwerpunkt im Management und wurde deshalb in die Fächergruppe „Gesundheit und Gesellschaft“ einsortiert.

Ziel des Studiengangs Physician Assistance an der Steinbeis-Hochschule ist die Ausbildung von akademisch qualifiziertem Assistenzpersonal für die Medizin. Schließlich gibt es die Möglichkeit, sich an der Evangelischen Hochschule mit Hebammenkunde zu befassen und parallel zum Studium eine Ausbildung zu absolvieren, die zur staatlichen Berufszulassung als Hebamme/Entbindungspfleger führt.

Weiterführender Studiengang: Im internationalen Studiengang Molecular Medicine lernen die Studierenden, wie der menschliche Körper funktioniert und was genau im Körper geschieht, wenn ein Mensch krank wird. Mit dem erworbenen Wissen ist es möglich, individuelle Therapien zur Behandlung von Krankheiten zu entwickeln, die den genetischen Hintergrund des Patienten und die molekularen Besonderheiten der Erkrankung berücksichtigen.

 

Humanmedizin: Neurowissenschaften

Fachgebiet: Der Begriff der Neurowissenschaften fasst Forschungsbereiche insbesondere aus der Medizin und Biologie zusammen, die sich mit dem Aufbau und den Vorgängen im menschlichen Zentralnervensystem befassen.

Weiterführende Studiengänge: Einschlägige Studiengänge, die sich speziell an Mediziner und Naturwissenschaftler richten, gibt es ausschließlich an der Charité. Der weiterbildende Studiengang Cerebrovascular Medicine widmet sich der Erforschung und Behandlung von Schlaganfällen und findet am Centrum für Schlaganfall-Forschung Berlin statt, während der Studiengang Medical Neurosciences darauf zielt, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung auf die klinische Anwendung beim Menschen zu übertragen. Beide Studiengänge sind englischsprachig.

Zwei weitere Studiengänge mit Bezug zu den Neurowissenschaften, aber eher technischer Ausrichtung sind in der Fächergruppe „Forschung und Entwicklung“ zu finden: Computational Neuroscience und Social, Cognitive and Affective Neuroscience.

 

Pflege

Fachgebiet: Die Pflegewissenschaft ist eine noch recht junge akademische Disziplin. Nach ersten wissenschaftlichen Ansätzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland erst in den 1960er-Jahren (DDR) bzw. 1980er-Jahren (BRD) Studiengänge zu diesem Fachgebiet eingerichtet. Diese setzten sich mit Grundbegriffen in der Pflegewissenschaft auseinander. Mittlerweile geht man davon aus, dass sich Pflegepraxis und Pflegewissenschaft wechselseitig beeinflussen und die wissenschaftliche Überprüfung von Pflegekonzepten und -maßnahmen die Qualität der Pflege verbessern kann. Dies ist auch einer der Gründe, warum die Ausbildung in der Pflege zunehmend an Hochschulen stattfindet. Weitere Gründe für die Akademisierung der Pflegeberufe sind die Herausforderungen, die in einer alternden Gesellschaft an die Pflege gestellt werden, und der zunehmende Bedarf an Pflegepersonal, der nur gedeckt werden kann, wenn Pflegeberufe aufgewertet und attraktiver gestaltet werden. Pflegewissenschaftliche Studiengänge qualifizieren für höhere Aufgaben im Pflegebereich. Dazu gehören das Projekt- und Fallmanagement, die Steuerung von Versorgungsprozessen, die Beratung sowie die Anleitung von Patienten, Angehörigen und anderen Pflegekräften.

Grundständige Studiengänge: In Berlin bieten die Evangelische Hochschule (EHB) pflegewissenschaftliche Bachelorstudiengänge an. Der Studiengang Nursing an der EHB spricht Studieninteressierte an, die ihre Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege mit einem Studium verbinden möchten. An der Brandenburgischen Technischen Universität am Standort Senftenberg gibt es den Studiengang Pflegewissenschaft, der zugleich zu einem Berufsabschluss in der Altenpflege oder der Gesundheits- und Krankenpflege führt.

 

Psychologie

Fachgebiet: Die Psychologie untersucht und beschreibt die Ursachen, Bedingungen und Entwicklungen des menschlichen Verhaltens und Erlebens. Sie ist eine empirische Wissenschaft, die großen Wert auf Experimente und deren Auswertungen legt. Um dabei der Komplexität menschlichen Verhaltens gerecht werden zu können, greift sie auf Erkenntnisse aus den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften zurück. Die praktische Anwendung psychologischer Forschungsergebnisse ist Gegenstand der angewandten Psychologie, in der sich zahlreiche Spezialisierungsrichtungen entwickelt haben. Zu diesen gehören z. B. die klinische Psychologie, die sich u. a. mit psychischen Störungen und ihrer Behandlung befasst, und die Gesundheitspsychologie, die untersucht, warum Menschen (körperlich) krank werden, warum sich der eine von einer Krankheit gut erholt und der andere nicht und wie man Krankheiten verhindern kann.

Psychologen entwickeln z. B. Diagnostik- und Interventionsverfahren, sind in der psychologischen Beratung tätig oder führen psychologische Trainings durch. Wer später therapeutisch tätig werden möchte (inkl. Abrechnung über die Krankenkassen) muss eine mindestens dreijährige psychotherapeutische Weiterbildung absolvieren. Mit deren Abschluss erhält er die Approbation, also die Zulassung zum Heilberuf des (Psychologischen) Psychotherapeuten.

Grundständige Studiengänge: Das Angebot psychologischer Bachelorstudiengänge in der Region ist groß. Alle Studiengänge bieten eine breite psychologische Grundlagenausbildung und unterscheiden sich lediglich in Bezug auf die Schwerpunktsetzung. Bei zwei Studiengängen steht von vornherein die angewandte Psychologie, also der Praxisbezug psychologischer Forschung, im Mittelpunkt der Ausbildung. Wer später therapeutisch arbeiten will, sollte einen Studiengang mit dem Studien- und Prüfungsfach klinische Psychologie wählen, um die Zugangsvoraussetzungen für die therapeutische Ausbildung zu erfüllen. Die Schwerpunktsetzung kann aber auch noch im Masterstudium erfolgen. Am Touro College besteht die Möglichkeit, einen US-amerikanischen Bachelorabschluss in Psychologie zu erwerben, der mit einem deutschen Abschluss kombiniert werden kann.

Weiterführende Studiengänge: Die meisten weiterführenden Studienangebote ermöglichen im unmittelbaren Anschluss an den Bachelor eine vertiefte Ausbildung in einem oder mehreren Bereichen der Psychologie, insbesondere in klinischer Psychologie, Gesundheitspsychologie oder auch in Gerontopsychologie. Letztere befasst sich z. B. mit Demenzerkrankungen und diversen psychiatrischen Krankheiten im Alter - ein Aufgabenfeld, das angesichts des demografischen Wandels an Bedeutung gewinnen wird. Andere Studiengänge setzen als Weiterbildungsangebot bereits einen Master in Psychologie oder Berufserfahrung voraus

Zwei Hochschulen, nämlich die Humboldt-Universität und die noch junge Psychologische Hochschule, bieten nicht nur Masterstudiengänge in Psychologie an, sondern auch psychotherapeutische Ausbildungen, die zur Approbation führen. An der Psychologischen Hochschule können auch Master- und Diplomabsolventen der Pädagogik, Sozialpädagogik, Bildungswissenschaften, Erziehungswissenschaften oder Sozialen Arbeit eine Approbation zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erwerben.

Der noch relativ neue berufsbegleitende Studiengang Integrierte Versorgung psychotisch erkrankter Menschen der Psychoanalytic University, der Charité, der Katholischen Hochschule für Sozialwesen und des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf setzt bei der Versorgung psychotisch erkrankter Menschen auf eine psycho- und soziotherapeutische Zusammenarbeit verschiedener Professionen. Wer psychologisches mit medizinischem Wissen kombinieren und die Zusammenhänge zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen ergründen will, sollte sich näher über den Studiengang Medical Psychology an der Steinbeis-Hochschule informieren.

Grundständige Studiengänge:

Weiterführende Studiengänge:

 

Therapie

Fachgebiet: Therapien sind Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen und als solche Bestandteil der medizinischen Ausbildung. Außer dem Beruf des Arztes gibt es jedoch noch eine ganze Reihe von nicht akademischen Heilberufen, zu denen z. B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden gehören. Sie werden tätig, wenn der Arzt einem Patienten ihre Leistungen als Heilmittel verschreibt. Abgerechnet wird anschließend über die Krankenkassen.

Die Physiotherapie hat das Ziel, die körperliche Funktionsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten oder zu fördern, während die Ergotherapie Menschen begleitet und unterstützt, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind und/oder ihre Handlungsfähigkeit erweitern möchten oder müssen. Logopäden beraten, untersuchen und behandeln Patienten mit Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen.

Üblicherweise finden die Ausbildungen zu den genannten Berufen an Berufsfachschulen statt. Seit einigen Jahren gibt es allerdings Versuche, sie nicht nur mit einem Hochschulstudium zu kombinieren (duales Studium), sondern die schulische Ausbildung vollständig in die Hochschulen zu verlegen, um die Therapieberufe weiterzuentwickeln und auf künftige Aufgaben vorzubereiten. Möglich wurde diese Entwicklung durch zeitlich befristete Modellklauseln in den einschlägigen berufsregelnden Gesetzen.

Grundständige Studiengänge: Viele der grundständigen Therapiestudiengänge in Berlin und Brandenburg machen von den erwähnten Modellklauseln Gebrauch und verlagern die Ausbildung in einem Therapieberuf in ein wissenschaftliches Studium, welches auch zur Berufszulassung führt. Der Studiengang Angewandte Therapiewissenschaft: Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie der IB-Hochschule findet dagegen lediglich parallel zu einer Ausbildung in einem der genannten Berufe oder auch berufsbegleitend statt. Seine Besonderheit liegt darin, dass die Studierenden über den Tellerrand der eigenen Profession hinausschauen und auch einen Einblick in zwei andere Therapieberufe erhalten. Mit der Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen befassen sich sowohl der Studiengang Patholinguistik an der Universität Potsdam als auch der Studiengang Logopädie an der IB-Hochschule. Der Unterschied ist, dass die Patholinguistik von vornherein einen akademischen Ausbildungsweg vorsieht und zu den sprachtherapeutischen Berufen zählt. Die Logopädie ist dagegen von Hause aus ein Gesundheitsfachberuf mit staatlicher Anerkennung.

Mit der therapeutischen Wirkung körperlicher Aktivität beschäftigt sich der Studiengang Sporttherapie und Prävention an der Universität Potsdam. Hier erwerben die Studierenden vor allem sportmedizinische Kenntnisse und lernen, wie sie Patienten helfen können, durch eine Verbesserung der Körperwahrnehmung, Koordination und Kondition körperliche, psychische oder soziale Beeinträchtigungen zu überwinden.

Weiterführende Studiengänge: In Kooperation mit der niederländischen University of Groningen und der University of Eastern Finland in Joensuu bietet die Universität Potsdam den englischsprachigen Studiengang European Masters in Clinical Lingustics an, in dem z. B. die Absolventen des Studiengangs Patholinguistik ihre Kenntnisse und Kompetenzen erweitern und vertiefen können. Ebenfalls englischsprachig ist der Studiengang Clinical Exercise Science an derselben Uni. Er vermittelt vertiefte Kenntnisse im Bereich der Medizinischen Trainingstherapie und der Leistungsphysiologie, die im Gesundheits-, Breiten- und Spitzensport zum Einsatz kommt. Wer möchte kann in diesen Bereichen auch promovieren.

In eine ganz andere Richtung zielen die beiden berufsbegleitenden Studiengänge Klinische Sozialarbeit an der „Alice Salomon“- Hochschule und der Katholischen Hochschule für Sozialwesen. Sie bereiten Berufserfahrene auf die psychosoziale Diagnostik, Beratung, soziale Therapie und Krisenintervention bei Menschen vor, die psychisch krank oder behindert sind oder schwere psychosoziale Krise bewältigen müssen.