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Gesundheit und Gesellschaft: Public Health, Pädagogik, Management

Public Health

Fachgebiet: Die noch junge Wissenschaft Public Health, für die im Deutschen auch der Begriff Gesundheitswissenschaften verwendet wird, befasst sich damit, wie Krankheiten verhindert und die Gesundheit der Menschen mithilfe einer gerechten Verteilung und effizienten Nutzung vorhandener Ressourcen gefördert werden kann. Es handelt sich um ein Fachgebiet, das ganz unterschiedliche Disziplinen miteinander verknüpft: die Epidemiologie als Wissenschaft von der Krankheitsverteilung in Bevölkerungsgruppen und der gesundheitsbezogenen Entwicklung von Populationen, die Gesundheitssystemforschung, die Gesundheitspolitik, -psychologie, -soziologie, -ökonomie, das Gesundheitsmanagement, die Pflegewissenschaften, die Versorgungsforschung und vieles mehr.

Grundständiger Studiengang: Studienangebote im Bereich Public Health sind in der Region vor allem bei der Charité zu finden. So auch der einzige grundständige Studiengang Gesundheitswissenschaften, der Pflege- und Therapiekräften eine neue berufliche Perspektive eröffnen will.

Weiterführende Studiengänge: Breit gefächert ist das Angebot weiterführender Studiengänge an der Charité. Der Epidemiologie sind gleich zwei Studiengänge gewidmet: Während beim Studiengang Epidemiologie die wissenschaftliche Forschung im Mittelpunkt steht, wenden die Studierenden im Studiengang Applied Epidemiology epidemiologische Methoden unmittelbar auf konkrete Public-Health-Fragen an. Die ergänzende Vermittlung der theoretischen Grundlagen findet dabei in verschiedenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union statt.

Der berufsbegleitende Studiengang Consumer Health Care beschäftigt sich mit den gesundheitspolitischen, rechtlichen, ökonomischen und kommunikativen Aspekten der Gesundheitsversorgung und interessiert sich in diesem Zusammenhang vor allem für die Bedürfnisse der Verbraucher. Ein ganz anderes Thema sind armutsbedingte Gesundheitsprobleme in ärmeren Ländern. Ihnen widmet sich der Studiengang International Health. Der Studiengang Public Health verbindet schließlich Gesundheitsforschung, Sozialmedizin, Gesundheitssystem- und Versorgungsforschung und gesundheitsbezogene Technologiefolgenabschätzung.

Drei weitere Studienangebote anderer Hochschulen runden das Angebot ab. Der berufsbegleitende Studiengang Public Health: Psychosoziale Prävention und Gesundheitsförderung an der Freien Universität greift Fragen der Gesundheitsförderung und Prävention aus gesundheitswissenschaftlicher Perspektive auf. An der Universität Potsdam beschäftigen sich die Studierenden im Studiengang Integrative Sport-, Bewegungs- und Gesundheitswissenschaft mit den Herausforderungen, die eine von Alterung und Bewegungsmangel geprägte Gesellschaft an die Gesundheits- und Sportwissenschaften stellt.

Als einzige private Hochschule bietet die H:G-Hochschule einen Studiengang im Bereich Public Health an, nämlich den Masterstudiengang Gesundheitswissenschaften. Er vermittelt Kenntnisse über Gesundheitssysteme, Versorgungsmodelle und Versorgungsstrukturen. Ergänzt und vertieft werden diese in einem der vier Schwerpunktbereiche Traditionelle chinesische Medizin, Traditionelle europäische Naturheilverfahren, Osteopathie und Präklinische Versorgung & Rettungswesen.

 

Pädagogik: Heil-, Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Fachgebiet: Heil-, Sonder- und Rehabilitationspädagogen arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, für die insbesondere aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung ein besonderer Förderbedarf besteht. Ihr beruflicher Auftrag besteht darin, jeden einzelnen Menschen in seiner Entwicklung zu fördern, ihm die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen und soziale Ausgrenzung zu verhindern. Dabei spielen natürlich immer auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine Rolle. Diesbezüglich ist in den vergangenen Jahren einiges in Bewegung geraten, was vor allem damit zu tun hat, dass die Inklusion als Menschenrecht in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert wurde, zu deren Umsetzung sich im Jahr 2009 auch Deutschland verpflichtet hat. Das Ideal der Inklusion ist eine Gesellschaft, in der Menschen nicht am Maßstab des angeblich „Normalen“ gemessen werden, sondern jeder Mensch in seiner Individualität wahrgenommen und akzeptiert wird und die Möglichkeit zur Teilhabe erhält. Für ein inklusives Bildungssystem bedeutet das z. B., dass Kinder mit und ohne Behinderung gleiche Bildungschancen erhalten und von Anfang an gemeinsam unterrichtet werden, anstatt die einen auf „normale“ und die anderen auf Sonder- oder Förderschulen zu schicken.

Grundständige Studiengänge: Studiengänge im Bereich der Heil-, Sonder- und Rehabilitationspädagogik werden ausschließlich an drei Berliner Hochschulen angeboten: der Humboldt-Universität, der Katholischen Hochschule für Sozialwesen und der Medical School. In erster Linie handelt es sich um Vollzeitstudiengänge. An der KHSB können sich staatlich anerkannte Heilpädagogen jedoch auch berufsbegleitend in einem wissenschaftlichen Studium mit den Themen Inklusion und Partizipation auseinandersetzen. Der Studiengang Heilpädagogik – Inklusion und Partizipation ist ein Kooperationsprojekt mit dem Berufs- und Fachverband Heilpädagogik (BHP) e.V.

Während sich die Studiengänge der Heil- und Rehabilitationspädagogik vorwiegend der außerschulischen Förderung Behinderter annehmen, ist das Studium der Sonderpädagogik eine Ausbildung für das Lehramt. Lange Zeit gab es in Berlin für Lehramtsinteressierte, die mit Behinderten arbeiten wollten, einen eigenen Studiengang für das Amt des Lehrers an Sonderschulen bzw. für Sonderpädagogik. Dieser wurde zum Wintersemester 2015/16 abgeschafft. Nun ist es so, dass zwei sonderpädagogische Fachrichtungen in allen Lehramtsstudiengängen ein anderes Fach ersetzen können, unabhängig davon, an welcher Schulform die Studierenden später unterrichten. Ein Studienangebot im Bereich der Sonderpädagogik gibt es ausschließlich an der Humboldt-Universität.

Weiterführende Studiengänge: Für alle erwähnten Studiengänge gibt es auch ein passendes Masterstudium gleichen Namens bzw. im Falle der Lehramtsausbildung in derselben Fächerkombination, in dem die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten vertieft und ausgebaut werden können. Bei der Heilpädagogik gilt das allerdings nur für die Katholische Hochschule für Sozialwesen und auch nur in der berufsbegleitenden Variante.

 

Pädagogik: Gesundheits- und Medizinpädagogik

Fachgebiet: Die Gesundheitspädagogik kombiniert gesundheitswissenschaftliches und die Medizinpädagogik medizinisches Wissen mit pädagogischem Know-how. Aktuell ist das Studienangebot in diesem Bereich bundesweit noch überschaubar. Die steigenden Anforderungen an die Pflege- und Therapieberufe legen aber die Vermutung nahe, dass in Zukunft verstärkt Lehrkräfte mit Hochschulabschluss für die Schulen des Gesundheitswesens und die Fort- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich gesucht werden, die nicht nur Fachwissen und pädagogische Kompetenzen mitbringen, sondern auch wissen, wie man Bildungsprozesse und -angebote mit Gesundheitsbezug gestaltet, plant, durchführt und evaluiert.

Grundständige Studiengänge: Die Studiengänge im Bereich der Gesundheits- und Medizinpädagogik richten sich überwiegend an berufstätige Gesundheitsfachkräfte, die sich in ihrer Profession, aber auch in pädagogischer Hinsicht weiterqualifizieren wollen. Alle grundständigen Studienangebote sind deshalb berufsbegleitend konzipiert. Nur an der Akkon-Hochschule ist es möglich, das Studium parallel zur Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf zu absolvieren. Aktuell gibt es ein grundständiges Studienangebot nur an privaten Hochschulen. Beim Studiengang Health Care Education / Gesundheitspädagogik an der IB-Hochschule erhalten die Studierenden die Befähigung und vollständige Anerkennung zur Ausübung einer Lehrtätigkeit an Berliner Schulen des Gesundheitswesens. Absolventen des Studiengangs Medizinpädagogik haben die Möglichkeit, ein einschlägiges Masterstudium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen mit der Fachrichtung Gesundheitswissenschaft oder Pflegewissenschaften anzuschließen.

Weiterführende Studiengänge: Der Masterstudiengang Medizinpädagogik an der Medical School bereitet auf das Lehramt an Schulen des Gesundheitswesens und berufsbildenden Schulen des öffentlichen Schulwesens vor. Er gliedert sich im Wesentlichen in drei Teilbereiche: die Bildungswissenschaften, die Sozialwissenschaften und die Wahlpflichtbereiche Gesundheitswissenschaft (inklusive Therapiewissenschaften) oder Pflegewissenschaften. Ein neuer Studiengang an der Charité mit dem Namen Health Professions Education vermittelt Kenntnisse in Pädagogik, pädagogischer Psychologie und in Gesundheitswissenschaften. Er befähigt die Studierenden nicht nur zur Übernahme von Lehrfunktionen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen, sondern setzt sich außerdem wissenschaftlich mit ebenso grundlegenden wie drängenden Fragen des Lehrens und Lernens in den Gesundheitsprofessionen auseinander.

 

Pädagogik: Gesundheitsförderung und Prävention

Fachgebiet: Die Gesundheitsförderung umfasst alle Maßnahmen, die dem Erhalt der menschlichen Gesundheit dienen, beispielsweise die Verbesserung von Arbeits-, Lebens- und Umweltbedingungen. Ferner will die Gesundheitsförderung Menschen in die Lage versetzen, ihre eigene Gesundheit zu kontrollieren und zu stärken. Themen der Prävention sind im medizinischen Zusammenhang hauptsächlich die Vorbeugung oder Früherkennung von Krankheiten, gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung.

Grundständiger Studiengang: Der duale Studiengang Sport / Angewandte Sportwissenschaft - Spezialisierung Gesundheitssport und Prävention an der FH Sport & Management Potsdam vermittelt Kenntnisse und schult Fähigkeiten, um später als Gesundheitscoach arbeiten zu können, also als pädagogisch-didaktischer und technologisch-methodischer Organisator und Gestalter, der sich in allen relevanten Bereichen der Gesundheit auskennt und sein Klientel entsprechend kompetent begleitet und berät. Neben dem Studium absolvieren die Studierenden eine Ausbildung zum Sportfachmann bzw. zur Sportfachfrau. Später können sie z. B. als Gesundheitscoach in Sportvereinen, Fitnessstudios, Gesundheitszentren, Hotels und Wellnesseinrichtungen arbeiten.

Weiterführender Studiengang: Der einzige weiterführende Studiengang Integrative Sport-, Bewegungs- und Gesundheitswissenschaft wird an der Universität Potsdam angeboten und steht sowohl Bachelorabsolventen im Sport als auch Medizinern offen. Sein Thema ist der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Gesundheit vor dem Hintergrund einer von Alterung und Bewegungsmangel geprägten Gesellschaft.
Allgemeine Sportstudiengänge werden auf dieser Webseite nicht ausführlich dargestellt. Sie finden sich unter „Weitere Studienangebote mit Gesundheitsbezug“.

 

Management

Fachgebiet: Managementaufgaben haben in der Gesundheitsbranche in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Trotz klammer Kassen, fehlenden Personals und immer mehr Pflegebedürftigen muss das Gesundheitssystem funktionieren, die Qualität von Gesundheitsleistungen sichergestellt und möglichst noch verbessert werden. Das erfordert qualifiziertes Personal mit Führungs-, Personal- und Organisationskompetenz, das sich sowohl in der Branche auskennt als auch mit Betriebswirtschaft, Finanzierungs- und Abrechnungssystemen sowie Recht und Qualitätsmanagement. Es verwundert deshalb nicht, dass es mittlerweile ein breites Studienangebot gibt, das auf die genannten Aufgaben vorbereitet. Aber auch für organisatorische Aufgaben unterhalb von Leitungsebenen gibt es Studiengänge. Hier geht es darum, durch entsprechende Kompetenzen des Personals die Arbeit im Gesundheitsbereich möglichst effizient zu gestalten und ihre Qualität zu verbessern.

Grundständige Studiengänge: Eine Ausbildung im Gesundheitsmanagement gibt es an den Berliner und Brandenburger Hochschulen in allen denkbaren Varianten: an öffentlichen und privaten Hochschulen, in Vollzeit, Teilzeit, berufs- oder ausbildungsbegleitend, als Präsenz- oder Fernstudium. Teilweise wird das Pflegemanagement mit einbezogen, teils das Sozialmanagement. Der Studiengang Medical Controlling and Management an der Medical School rückt speziell das Medizincontrolling in den Fokus. Manche Studiengänge richten sich an eine bestimmte Berufsgruppe, z. B. Emergency Practitioner an Notfallsanitäter und Rettungsassistenten. Andere setzen einen Abschluss und ggf. auch Berufserfahrung in einem Pflege- oder Therapieberuf voraus (z. B. Gesundheits- und Pflegemanagement an der „Alice Salomon“-Hochschule Berlin). Darüber hinaus gibt es Angebote für Studieninteressierte, die keine Vorerfahrung im Gesundheitsbereich mitbringen.

Weiterführende Studiengänge: Bis auf die Studiengänge Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen an der „Alice Salomon“-Hochschule und Social, Healthcare and Educational Management an der Steinbeis-Hochschule handelt es sich bei allen weiterführenden Managementstudiengänge um MBA-Studiengänge, die ausschließlich berufsbegleitend angeboten werden und mindestens 2 oder 3 Jahre Berufserfahrung voraussetzen. Besonders erwähnt seien zwei Studiengänge. Zum einen der MBA Betriebliches Demografie- und Gesundheitsmanagement an der SRH Hochschule. Er beschäftigt sich als einziger Studiengang schwerpunktmäßig mit den demografischen Veränderungen und Altersstrukturen in Unternehmen und der Förderung und dem Erhalt der Gesundheit in Form des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Der MBA Biotechnologie und Medizintechnik an der Universität Potsdam ist wiederum der einzige Managementstudiengang speziell für die Life-Science-Branche.

Managementaspekte weisen auch die Studiengänge Clinical Trial Management und Clinical Research auf, die sich mit der Durchführung klinischer Studien befassen. Sie sind aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung jedoch in der Fächergruppe „Forschung und Entwicklung“ zu finden.

Grundständige Studiengänge:

Weiterführende Studiengänge: