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Forschung und Entwicklung: Pharmazie, Naturwissenschaften, Technik

Pharmazie

Fachgebiet: Die Pharmazie beschäftigt sich mit der Entwicklung, Herstellung, Beschaffenheit, Abgabe und Wirkung von Arzneimitteln. Dazu verwendet sie Erkenntnisse aus der Biologie, Chemie, Physik und Medizin. Auch wenn der Beruf des Apothekers untrennbar mit der Pharmazie verknüpft ist, so sind die Absolventen des Pharmaziestudiums doch nicht automatisch berechtigt, als Apotheker zu arbeiten. Dafür müssen sie erst noch ein Praktisches Jahr absolvieren, den dritten Teil der Pharmazeutischen Prüfung (Staatsexamen) ablegen und die Approbation erhalten. Der gesetzliche Auftrag von Apothekern besteht darin, für eine sichere und ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu sorgen. Meist ist ihr Arbeitsplatz eine öffentliche Apotheke, es ergeben sich jedoch auch Tätigkeitsfelder für sie in Krankenhausapotheken, in denen die Herstellung von Arzneimitteln einen höheren Stellenwert hat, in der Pharmaindustrie, in Forschungsinstituten und Universitäten.

Grundständige Studiengänge: Pharmazie gehört zu den wenigen Studiengängen, die trotz Bologna nach wie vor mit einem Staatsexamen enden. Das hat der Studiengang mit der Medizin und Zahnmedizin gemeinsam. Weitere Gemeinsamkeiten sind, dass die Zulassung zum Studium bundesweit zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung erfolgt und der Beruf, der klassischerweise am Ende ausgeübt werden soll, einer Approbation bedarf. Angeboten wird der Studiengang an der Freien Universität.

Die private Medical School ergänzt das Studienangebot im Bereich Pharmazie neuerdings mit einem international ausgerichteten Bachelorstudiengang: Clinical Research. Er vereint die Disziplinen Medizin, Biologie und internationales Management mit dem Ziel, auf die Planung und Durchführung klinischer Studien vorzubereiten.

Weiterführender Studiengang: Auch der Fernstudiengang Clinical Trial Management, ein Angebot der Beuth Hochschule für Technik, befasst sich mit klinischen Studien. Hochschulabsolventen mit einem naturwissenschaftlichen Hintergrund können hier lernen, wie sie derartige Studien für die Zulassung von Arzneimitteln und Medizinprodukten planen, durchführen und koordinieren.
Da weitere Masterstudiengänge mit einem Bezug zur Pharmazie andere Schwerpunkte haben, sind sie in anderen Abschnitten zu finden. So ist der Studiengang Molecular Medicine in der Fächergruppe „Gesundheit und Mensch“ einsortiert und Pharma- und Chemietechnik im Abschnitt „Medizintechnik“.

 

Naturwissenschaften: Medizinphysik

Fachgebiet: Sowohl in der medizinischen Diagnose als auch in der Therapie werden zunehmend Technologien eingesetzt, die auf der Grundlage moderner physikalischer Erkenntnisse entstanden sind. Da sind zum einen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Positronen-Emissionstomografie (PET) zu nennen, zum anderen aber auch die Nuklearmedizin und Strahlentherapie, Lasertechnik und elektronische Biosignalverarbeitung. Darüber hinaus zählen die Augenoptik und Optometrie zur Medizinphysik. Während sich die Augenoptik vorwiegend mit dem Einzelauge und der Korrektur von Fehlsichtigkeit beschäftigt, legt die Optometrie ihren Schwerpunkt auf das beidäugige Sehen sowie die Messung und Beurteilung zahlreicher Sehfunktionen.

Grundständige Studiengänge: Im Studiengang Physikalische Technik / Medizinphysik an der Beuth Hochschule für Technik lernen die Studierenden alle wichtigen Anwendungen der Physik im medizinisch-technischen Umfeld kennen, dabei liegt ein Schwerpunkt auf den bildgebenden Verfahren. An derselben Hochschule haben ausgebildete Augenoptiker die Möglichkeit, einen Bachelorabschluss in Augenoptik/Optometrie zu erwerben. Auch ohne Meisterprüfung steht den Absolventen des Studiengangs der Weg in die Selbstständigkeit offen. Für beide Studiengänge gibt es ein passendes konsekutives Masterstudium.

Als eine der ersten Hochschulen bundesweit bietet die IB-Hochschule mit dem Studiengang Medizinische Radiologie-Technologie schließlich ein berufsbegleitendes Studium für Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) an, das technische, medizinische und ökonomische Aspekte miteinander verknüpft. Neuerdings steht der Studiengang auch Studieninteressierten offen, die parallel ihre Ausbildung zum MTRA absolvieren wollen.

Weiterführende Studiengänge: Die konsekutiven Masterstudiengänge Physikalische Technik / Medizinphysik und Augenoptik/Optometrie vertiefen die Kenntnisse der gleichnamigen Bachelorstudiengänge und bieten weitere Spezialisierungen an. Ein weiteres Angebot ist der weiterbildende Masterstudiengang Clinical Optometry, den die Beuth Hochschule für Technik in Kooperation mit dem Pennsylvania College of Optometry – Salus University ins Leben gerufen hat. Ziel des Studiengangs ist das Europa-Diplom in Optometrie, das dazu berechtigt, in der gesamten EU zu praktizieren.

 

Naturwissenschaften: Biochemie

Fachgebiet: In der Biochemie dreht sich alles um den Stoffwechsel, also die chemischen Vorgänge in Lebewesen. Das Fachgebiet ist damit im Grenzbereich von Biologie, Chemie und Medizin angesiedelt. Eine enge Verbindung besteht außerdem zur Genetik. Schwerpunkte der Forschung sind im Allgemeinen Proteine, Lipide (Fette), Kohlenhydrate und Nukleinsäuren, die meist als „Biomoleküle“ zusammengefasst werden. Im Hinblick auf die Medizin sind biochemische Erkenntnisse wichtig, um wirksame Arzneimittel zu entwickeln, aber auch, um den physiologischen Wert von Nahrungsmitteln zu ermitteln oder die Giftigkeit einzelner Substanzen einschätzen zu können.

Grundständiger Studiengang: Im Bachelorstudiengang Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam beschäftigen sich die Studierenden mit Wirkung und Funktion der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, den Abläufen bei der Nahrungsverwertung und den Wirkmechanismen von Stoffwechselvorgängen. Anders als bei der Ökotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaft) sind psychosoziologische und ökonomische Fragen nicht Gegenstand des Studiums. Der Studiengang Biochemie an der Freien Universität weist nur mittelbar einen Gesundheitsbezug auf und ist deshalb in der Liste „Weitere Studienangebote mit Gesundheitsbezug“ aufgeführt.

Weiterführende Studiengänge: Im Masterstudiengang Ernährungswissenschaft, der an den gleichnamigen Bachelorstudiengang anschließt, setzen sich die Studierenden u. a. mit instrumenteller Lebensmittelanalytik, den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Krankheit und den Wirkungen von Inhaltsstoffen pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel auf die Gesundheit auseinander. An der Universität Potsdam gibt es einen weiterführenden Studiengang Biochemie und Molekularbiologie. Die Molekularbiologie erforscht dynamische molekulare Prozesse auf der Ebene von Zellen und Organismen. Der weiterbildende Masterstudiengang Toxikologie an der Charité befasst sich schließlich mit den schädlichen Wirkungen chemischer Stoffe auf Lebewesen. Dabei geht es insbesondere darum, schädliche Wirkungen von Substanzen zu erkennen und zu beschreiben und die Wechselwirkungen zwischen dem chemischen Stoff und den für die toxische Wirkung relevanten biologischen Strukturen auf molekularer Ebene aufzuklären.

 

Technik: Medizintechnik

Fachgebiet: Medizinische Apparate sind ohne ingenieurwissenschaftliches Know-how nicht denkbar. Wenn beispielsweise die Physik die theoretischen Grundlagen für bildgebende Verfahren liefert, so müssen Ingenieure aus der prinzipiellen Idee eine Maschine entwickeln und konstruieren. Das Spektrum der Medizintechnik reicht von mikroprozessorgesteuerten Arm- oder Beinprothesen über die Verarbeitung von Biosignalen und anderen informationstechnischen Anwendungen bis hin zur Pharma- und Chemietechnik. In allen Fällen geht es um die besondere Herausforderung, hochpräzise und sichere Technik für die medizinische Anwendung zur Verfügung zu stellen. Zur Medizintechnik werden an dieser Stelle auch alle Bereiche der Informatik gezählt, die speziell auf die Anwendung im Gesundheitswesen ausgerichtet sind.

Grundständige Studiengänge: Die Studiengänge im Bereich Medizintechnik sind interdisziplinär angelegt: Beim Studiengang Bioinformatik an der Freien Universität gehören beispielsweise Molekularbiologie, Chemie, Biochemie und Physiologie ebenso zum Lehrstoff wie Mathematik und Informatik. An der Fachhochschule Brandenburg profitieren die Studierenden der Medizininformatik vom benachbarten Städtischen Klinikum Brandenburg, einem Lehrkrankenhaus der Charité. Ärzte des Klinikums übernehmen nicht nur die Medizinvorlesungen, die Studierenden können sich auch direkt in den Funktionsbereichen des Klinikums, beispielsweise  in Laboren und auf Stationen, praxisbezogene Kenntnisse aneignen.

Ausgehend von medizinischen und technischen Grundkenntnissen befähigt der Studiengang Medizintechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität am Standort Senftenberg dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse und ingenieurmäßige Methoden anzuwenden, um praxisgerechte Problemlösungen auf dem Gebiet der Medizin- und Rehabilitationstechnik zu erarbeiten. Der praxisnahe und anwendungsorientierte Studiengang Pharma- und Chemietechnik an der Beuth Hochschule für Technik befasst sich einerseits mit der Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln und Kosmetika und andererseits mit der Entwicklung, Planung und Überwachung chemischer und physikalischer Verfahren in betriebs- und labortechnischen Anlagen, insbesondere der chemischen Industrie. Am Steinbeis-Transfer-Institut für Kardiotechnik am Deutschen Herzzentrum Berlin haben Absolventen medizinischer Assistenzberufe (z. B. operationstechnische Assistenten) die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Kardiotechniker bzw. zur Kardiotechnikerin zu machen und parallel dazu den Studiengang Cardiovascular Perfusion zu absolvieren. Hier erwerben sie sowohl Wissen und Kompetenzen im Umgang mit komplexer Medizintechnik als auch in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Kardiologie, Kinderkardiologie, Kardioanästhesie und Labormedizin.

Weiterführende Studiengänge: Der konsekutive Masterstudiengang Bioinformatik an der Freien Universität vertieft den gleichnamigen Bachelorstudiengang, wobei die Auswertung biologischer Massendaten einen Schwerpunkt bildet. An der Universität Potsdam fokussieren sich die Studierenden im weiterführenden Bioinformatik-Studium dagegen auf eine systembiologische Sichtweise, die sich insbesondere der Integration molekularbiologischer Daten und der Modellierung komplexer biologischer Systeme widmet. Außerdem schauen sie, welche Ansätze die Bioinformatik in den Ernährungswissenschaften bietet. Hier geht es unter anderem darum, das Zusammenspiel von Ernährung und genomischen Informationen zu untersuchen. Der Studiengang Biomedizinische Technik an der Technischen Universität ist konsekutiv zum Maschinenbau-Studium und ähnlichen Studiengängen und bietet die Studienrichtungen Medizintechnik, Rehabilitationstechnik sowie Arbeitswissenschaft und Ergonomie im Gesundheitswesen an.

Der Masterstudiengang Pharma- und Chemietechnik schließt an den Bachelorstudiengang gleichen Namens an und ergänzt die ingenieurwissenschaftlichen Kenntnisse um theoretisches Wissen. Den einzigen Fernstudiengang im Bereich Medizintechnik hat die Beuth Hochschule für Technik im Angebot: Medizinische Informatik. Er richtet sich an berufstätige Mediziner und Informatiker und setzt als weiterbildender Studiengang mindestens ein Jahr Berufserfahrung voraus. Der englischsprachige Studiengang Social, Cognitive and Affective Neuroscience an der Freien Universität vermittelt eine breite theoretische und methodische Ausbildung zur Analyse und Vorhersage der neurokognitiven Grundlagen von Erleben und Verhalten. Humboldt-Universität und Technische Universität bieten schließlich gemeinsam den Studiengang Computational Neuroscience an, der neurologische Experimente mit der Analyse von Daten und Computersimulationen verbindet.

 

Technik: Biotechnologie

Fachgebiet: Die Biotechnologie wendet Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen an, um Produkte für das tägliche Leben herzustellen und um Verfahren zu optimieren. Es handelt sich um eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich Erkenntnisse und Verfahren aus der Biochemie, Bioverfahrenstechnik, Gentechnik, Mikrobiologie und Zellbiologie zunutze macht. Während die sogenannte grüne Biotechnologie eingesetzt wird, um Pflanzen zu verändern, und die weiße Biotechnologie, um industrielle Prozesse zu optimieren, widmet sich die rote Biotechnologie der Medizin. So werden mithilfe biotechnologischer Verfahren beispielsweise neuartige Medikamente, Therapieformen oder Diagnoseverfahren entwickelt. Große Bedeutung hat dies z. B. für die Behandlung von Krebs.

Grundständige Studiengänge: Gleich drei öffentliche Hochschulen haben den Studiengang Biotechnologie im Angebot: die Technische Universität, die Beuth Hochschule für Technik und die Brandenburgische Technische Universität am Standort Senftenberg. Hinzu kommt seit kurzem ein vierter Anbieter: die private H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst. Der Studiengang Biosystemtechnik/Bioinformatik an der Technischen Hochschule Wildau beschäftigt sich dagegen mit biohybriden Systemen speziell für die Gewinnung analytischer Daten im Bereich der Genomik und Proteomik, aber auch in der medizinischen Diagnostik bzw. im Lebensmittelbereich. Biomoleküle, Grenzflächen und Detektorsysteme stehen dabei im Vordergrund. Die Bewertung und Verknüpfung der in der Analyse gewonnenen, zum Teil enormen Datenmengen erfordern die enge Verbindung zur Bioinformatik.

Weiterführende Studiengänge: Mit Ausnahme des Biotechnologie-Studiums an der H:G-Hochschule können die Bachelorstudiengänge in konsekutiven Masterprogrammen gleichen Namens fortgesetzt werden. Der Studiengang Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin bietet eine vertiefte Ausbildung in medizinischer und industrieller Biotechnologie, das Angebot der Brandenburgischen Technischen Universität ist ausdrücklich ein internationaler Studiengang, der wahlweise mit dem Schwerpunkt Zellbiologie, Mikrobiologie oder Bioanalytik studiert werden kann. Der Masterstudiengang Biosystemtechnik/Bioinformatik vermittelt aktuelles interdisziplinäres Fachwissen aus den Gebieten der Biosensorik, der Molekularbiologie, der zellulären Bioinformatik sowie der Mikro- und Oberflächentechnik.