Studium Gesundheit in Berlin und Brandenburg

Gesundheit als Gegenstand der Wissenschaft

Gesundheit ist nicht nur eine Leitidee der medizinischen Fächer, sondern auch vieler anderer Studiengänge: Ob bei Pharmazie oder Biotechnologie, bei Public Health oder Medizininformatik, bei Gerontologie oder Ernährungswissenschaft - immer geht es direkt oder indirekt auch um das Wohl des Menschen. Gesundheit ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen". Die Bedürfnisse gesunder und kranker Menschen, die Fortschritte der Forschung und die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen machen Gesundheit zu einem Wirtschaftsfaktor ersten Ranges.

In der Region Berlin-Brandenburg hat sich die Gesundheitswirtschaft zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige entwickelt. Etwa jeder achte Erwerbstätige ist in der Gesundheitswirtschaft tätig, und bis 2020 erwarten Experten ein weiteres Beschäftigungswachstum um ca. 30 000 auf eine Gesamtzahl von rund 374 000 Erwerbstätigen bei einer jährlichen Bruttowertschöpfung von über 15 Milliarden Euro. Zur Gesundheitswirtschaft zählen neben dem Gesundheitswesen im engeren Sinne (ambulante und stationäre Versorgung und Pflege) die gesundheitsbezogene Forschung und Entwicklung, das verarbeitende Gewerbe (Pharmaindustrie, Biotechnologie, Medizintechnik) und der Handel (einschließlich Apotheken, Verwaltungen, Organisationen).

Ein reiches Studienangebot für viele Interessen

Die öffentlichen Hochschulen in Berlin und Brandenburg boten im Jahr 2009 insgesamt 137 Studiengänge mit mehr oder weniger engem Gesundheitsbezug an: 21 der insgesamt 27 Hochschulen, davon 13 (von 16) in Berlin und acht (von elf) in Brandenburg, haben mindestens einen solchen Studiengang im Programm. 88 stärker gesundheitsbezogene Studiengänge an elf Berliner und sieben Brandenburger Hochschulen stellt dieser Studienführer ausführlich vor. Davon sind 45 grundständige Studiengänge und 43 weiterführende Studiengänge.

Von ihren Inhalten her lassen sich die Studiengänge drei großen Kategorien zuordnen:

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGesundheit und Mensch: Humanmedizin, Pflege, Psychologie, Therapie mit je zehn grundständigen (drei Staatsexamens-, sieben Bachelor-) und Masterstudiengängen,

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGesundheit und Gesellschaft: Public Health, Pädagogik, Management mit 18 grundständigen (einem Diplom- und 17 Bachelor-) und 15 Masterstudiengängen,

Öffnet internen Link im aktuellen FensterGesundheit und Forschung/Entwicklung: Pharmazie, Veterinärmedizin, Naturwissenschaften, Technik mit 17 grundständigen (zwei Staatsexamensund 15 Bachelor-) und 18 Masterstudiengängen.

Zu den 45 grundständigen Studiengängen zählen außer den nach der Bologna-Reform am stärksten vertretenen Bachelorstudiengängen noch fünf Staatsexamensstudiengänge (Medizin mit Regel- und Reformstudiengang, Zahnheilkunde, Pharmazie und Veterinärmedizin) und ein Diplomstudiengang (Medizinpädagogik/ Pflegepädagogik). Von den 39 Bachelorstudiengängen sind drei duale Angebote, d.h. sie kombinieren Studium und Berufsausbildung (Nursing, Physiotherapie/Ergotherapie). Fünf weitere setzen eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus (Augenoptik/ Optometrie, Gesundheits- und Pflegemanagement, Heilpädagogik, Medizin-/Pflegepädagogik, Pflegemanagement) und werden zum Teil (auch) als berufsbegleitendes Teilzeitstudium angeboten.

Bei den 43 Masterstudiengängen handelt es sich keineswegs nur um konsekutive Fortsetzungen gleichnamiger Bachelorstudiengänge: 19 und damit beinahe die Hälfte sind Weiterbildungsangebote, darunter viele berufsbegleitende Teilzeitprogramme vor allem aus der Fächergruppe Public Health, Pädagogik, Management. Zehn gesundheitsbezogene Masterstudiengänge der Region, die meisten davon im Bereich der Medizin und der Naturwissenschaften, werden in englischer Sprache angeboten, zwei davon zweisprachig. 20 Masterstudiengänge verlangen Studiengebühren.

Nach Angaben der Hochschulen sind derzeit 29 der ausführlich dargestellten 88 Studiengänge akkreditiert. Nur noch zehn dieser Studiengänge lassen Studienanfänger explizit sowohl zum Sommer- als auch zum Wintersemester zu. Die meisten (63) Studiengänge haben sich für eine reine Wintersemesterzulassung entschieden, die übrigen - fast ausschließlich Masterstudiengänge - lassen nur zum Sommersemester zu oder haben einen anderen Turnus.

50 weitere Studiengänge öffentlicher Hochschulen mit geringerem Gesundheitsbezug sowie eine Reihe geplanter gesundheitsbezogener Studiengänge sind in einer separaten Tabelle ("Weitere Studienangebote") zusammengefasst. Zu ihnen zählen außer naturwissenschaftlichen Grundlagenstudiengängen wie Biologie, Biophysik oder Agrarwissenschaft z.B. einige Bachelorstudiengänge im Bereich "Bildung und Erziehung im Kindesalter" wegen ihres Bezugs zur Gesundheitserziehung oder der TU-Studiengang Technischer Umweltschutz mit dem Schwerpunkt Luftgüteüberwachung oder auch Nachhaltiger Tourismus mit einem Modul "Gesundheits- und Wellness- Tourismus" an der FH Eberswalde.

In weiteren Abschnitten werden außerdem gesundheitsbezogene Angebote der öffentlichen Hochschulen im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung, wichtige Fachgebiete und Institute (z.B. Krankenhausbau oder Rechtsmedizin) sowie außeruniversitäre Einrichtungen der Wissenschaft und Forschung in Berlin und Brandenburg aufgelistet.

Angaben zum Studienangebot der sieben (von derzeit insgesamt 24) staatlich anerkannten privaten Hochschulen, die in der Region zurzeit gesundheitsbezogene Studiengänge anbieten, sind dem Adressteil zu entnehmen.

Alles ist Gesundheit, Gesundheit ist alles

Wer sich mit dem Thema "Gesundheit" beschäftigen will, kann im Grunde fast alles studieren, wobei der Gesundheitsbezug natürlich ungleich stark und sehr verschieden ausfällt. Neben Studiengängen, die ausschließlich oder hauptsächlich mit Gesundheit zu tun haben, gibt es andere, in denen das Thema nur einen Schwerpunkt oder ein Teilgebiet ausmacht. Hinzu kommt, dass zusätzlich zu bekannten und vertrauten Fächern wie Pharmazie, Medizin oder Zahnmedizin immer mehr neuartige inter- oder transdisziplinäre Studiengänge angeboten werden, mit denen die Hochschulen der Region auf Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft, neue technologische Entwicklungen oder Weiterbildungswünsche von Beschäftigten aus dem Gesundheitssektor reagieren.

Unbegrenzte Bildungsmöglichkeiten

Die Vorstellung des Angebots gesundheitsrelevanter Studiengänge in der Hochschulregion Berlin-Brandenburg und unser Ausflug in die Medizingeschichte zeigen, wie breit das Spektrum der Interessen ist, denen man mit einem gesundheitsbezogenen Studium nachgehen kann. Daneben gibt es aber auch noch alle diejenigen Studiengänge, bei denen ein möglicher Zusammenhang mit dem Thema "Gesundheit" erst auf den zweiten Blick erkennbar wird, so z.B. Architektur, wenn sie wie an der TU Berlin über ein Fachgebiet "Entwerfen - Bauten des Gesundheitswesens" verfügt .

Neben Studiengängen und wissenschaftlicher Weiterbildung gibt es an den Hochschulen der Region zahlreiche gesundheitsbezogene Gebiete, die auch Studierenden anderer Bereiche die Möglichkeit bieten, sich mit Gesundheitsthemen zu befassen . Studierenden der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) steht beispielsweise das Interdisziplinäre Zentrum für Ethik zur Verfügung, wo man auf Bio- und Medizinethik spezialisiert ist, und Berliner Studierende der Soziologie oder der Geschichte können an den entsprechenden Charité-Instituten ihre Abschlussarbeit zu Themen aus der Medizinsoziologie oder Medizingeschichte betreuen lassen.

Auch Absolventinnen und Absolventen von Fächern ohne jeden Gesundheitsbezug können sich gezielt in diese Richtung weiterbilden: Das Angebot vor allem an weiterbildenden Masterstudiengängen ist groß und baut vielfach auf ganz unterschiedlichen Fächern auf. Sogar wer schon in einem Beruf steht, der keinen originären Gesundheitsbezug hat, kann sich schwerpunktmäßig mit Gesundheit beschäftigen. Der Möglichkeiten gibt es viele, und das Spektrum ist weit: Es reicht vom Übersetzer, der medizinrelevante Fachtexte aus einer Fremdsprache überträgt, über die Mathematikerin, die Bestrahlungspläne für Krebstherapien berechnet, und den Journalisten, der über Aspekte der Medizinethik schreibt, bis zur Betriebswirtin im Krankenhausmanagement oder zum Juristen, der in medizinrechtlichen Angelegenheiten berät.

Die Gesundheits- und Wissenschaftsregion Berlin- Brandenburg bietet eine unvergleichliche Vielfalt von Studien- und Berufsmöglichkeiten, die - da sind sich alle Experten einig - in Zukunft weiter wachsen wird